Forum Zukunfts-ENERGIE · Mittwoch, 26. August 2026 · Energiepark Grischa, Chur

Pfad 3 · E-Effizienz

EcoSolve.Energy GmbH — Dr. Andreas Boller

Runde 3Halle 1. OG45 Minuten

Die günstigste Kilowattstunde ist die, die niemand bemerkt hat. Andreas Boller optimiert nicht — er misst zuerst, und zwar genau das, was sonst niemand ansieht. Was er dabei findet, ist kein technisches Problem, sondern ein organisatorisches: Anlagen, die seit Jahren laufen, ohne dass sie irgendetwas bewirken.

Vier Funde, alle aus realen Anlagen

Eine Dachrinnenheizung, für die eine einzelne Phase zur Messung freigemacht wurde, lief Tag und Nacht — bei Schnee, bei Sonne, bei jeder Aussentemperatur. Von April bis Juli zog sie zwei Megawattstunden über eine Dose, «die eigentlich ein Brandherd ist». Um überhaupt zu sehen, was dort geschieht, musste Boller sich aus dem Waschraum durch ein kleines Fenster nach draussen bewegen.

«Der Tiefkühlraum hat eine Türheizung. Diese Türheizung läuft seit fünf Jahren, obwohl der Tiefkühlraum seit fünf Jahren ausgeschaltet ist. Ich habe sie angefasst — 60 Grad.»Dr. Andreas Boller, EcoSolve.Energy GmbH

Ein Schwimmbad wird 200 Tage im Jahr beheizt, das leer ist. Und Klimageräte laufen sieben Tage die Woche rund um die Uhr, obwohl der Betrieb nur werktags besetzt ist. Bollers Frage dazu ist keine technische:

«Du hast die Nacht und du hast das ganze Wochenende, dass eine Wirkung entsteht dadurch, dass ich die Klimaanlage betreibe. Null Wirkung.»Dr. Andreas Boller

Der Hebel ist nicht die Technik, sondern die Sichtbarkeit

Sobald der Verbrauch sichtbar wird, entsteht Vergleich — und mit dem Vergleich entsteht Wettbewerb. An einem Standort wurden 45 Prozent eingespart, und zwar nicht wegen einer Investition:

«45 % eingespart, weil die anderen plötzlich gesagt haben: was macht ihr? Dieser Wettbewerb, diese Gamification — das ist, was man erreichen kann und will.»Dr. Andreas Boller

Das Ziel dahinter hat einen Namen: ENCO, Energy Conscious Organization — eine energiebewusste Organisation zu bauen. Und ein Detail zeigt, dass Messen nicht nur dem Sparen dient, sondern auch dem Schutz der Massnahme: Ein Temperatursensor im Rücklauf des Schwimmbads diente als Beweis, dass nicht am Komfort der Gäste gespart wurde. Wer misst, kann belegen, dass er nichts weggenommen hat.

«Die Reise zu netto null beginnt genau da, wo ich weiss, welche Energie ich verbrauche und welche Energie nutzlos verbrannt und verschwendet wird, statt dass wir sie nutzbringend verwenden.»Dr. Andreas Boller

Die Kaffeemaschine, und warum sie überwacht wird

Der schönste Nebenbefund des Pfades: Ein Gastronom will ausgerechnet die Kaffeemaschine überwacht haben. Nicht wegen ihres Umsatzes — wegen des Folgeumsatzes. Wer den Becher in der Hand hat, geht von Gestell zu Gestell, statt weiterzufahren. Rund die Hälfte seines Umsatzes hängt daran. Und, fügt Boller an, seine Mitarbeitenden seien ganz zufrieden, wenn die Maschine stillsteht — dann haben sie weniger Arbeit. Das Interesse des Betriebs und das Interesse der Belegschaft zeigen an derselben Maschine in verschiedene Richtungen.

Was der Pfad zeigt

Boller verkauft ein Messgerät — modular, an über tausend Standorten einsetzbar, thermische und elektrische Daten über dasselbe System; das nennt er die eigene Innovation. Aber sein Vortrag handelt kaum davon. Er handelt davon, dass in fast jedem Gebäude Energie verbrannt wird, für die niemand zuständig ist, weil niemand sie sieht. Die Massnahme dagegen kostet nichts — das Wissen darüber schon.

Was hier fehlt. Von dieser Session sind acht Aufnahmen vorhanden, gut elf Minuten von 45. Der Anfang des Vortrags fehlt, und aus dem Publikum ist fast nichts zu hören. Wenn im Gespräch etwas gesagt wurde, das hier fehlt: eine Zeile an joeri@gredig.swiss genügt, und es steht hier.

Aus der Session

Vortragender vor einem Bildschirm mit einem Balkendiagramm zum Energieverbrauch einer Tankstelle
Zuerst messen. Verbrauch und Rest, aufgeteilt nach Zapfsäule, Shop, Eigenproduktion und Netzbezug. Erst wenn das dasteht, lässt sich über Sparen reden.
Auszeichnung aus Holz mit der Aufschrift «Most Innovative Project of the Year — Alpine Village, Lauchernalp — EcoSolve Energy»
Alpine Village, Lauchernalp. Die Auszeichnung lag auf dem Tisch, ohne dass sie im Vortrag vorkam — er handelte von Türheizungen und leeren Schwimmbädern.
Der Film vom Tag — neun Minuten, gedreht vom Multimedia-Team der Fachhochschule Graubünden: zukunfts-energie.ch/film. Er liegt auf unserem eigenen Server in der Schweiz: kein YouTube, kein Tracking, keine Cookies.

Was daraus folgt

Diese Seite ist die erste von zwei Schichten. Sie hält fest, was gesagt wurde. Die zweite hält fest, was die Leute daraufhin tun — der Handschlag von Chur: konkrete Zusagen, namentlich, im eigenen Wort. Nicht feierlich unterschrieben, sondern unter Gleichen gegeben. Im August 2027 fragen wir nach, was daraus geworden ist.

34 Menschen haben am 26. August unterschrieben. Von acht wissen wir, was sie sich vorgenommen haben — die übrigen Zusagen stehen als Name da, ohne Satz. Wenn du an diesem Nachmittag etwas zugesagt hast und es dort stehen sehen möchtest, genügt eine Zeile. Wer nichts zugesagt hat, kann es nachtragen.

Die anderen acht Pfade

Drei Runden, neun Pfade — wer dabei war, hat höchstens drei davon gesehen. Deshalb entsteht zu jedem eine Seite wie diese. Sie erscheinen nacheinander:

Dazu der Abend im selben Raum — neun Pitches, die Keynote und die Diskussion: Der Abend.

Das nächste Forum: Mittwoch, 25. August 2027, wieder im Energiepark Grischa. Vormerken → — das verpflichtet zu nichts.

Dokumentation aus den Aufnahmen des Tages · Regie Alicia Gregorini · Forum Zukunfts-ENERGIE · Russi Energy Foundation · Energiepark Grischa