Forum Zukunfts-ENERGIE · Mittwoch, 26. August 2026 · Energiepark Grischa, Chur

Pfad 5 · E-Netze

Swissgrid AG — Urs Ziegler · IBC Energie Wasser Chur AG — Edgar Bisig

Runde 1Halle EG45 Minuten

Zwei Netzebenen nebeneinander: Swissgrid betreibt das Höchstspannungsnetz, IBC Energie Wasser Chur das Verteilnetz, an dem jede Wärmepumpe und jede Ladestation dieser Stadt hängt. Beide beschreiben dasselbe — ein Netz, das für eine andere Welt gebaut wurde und im laufenden Betrieb umgebaut werden muss.

Swissgrid — das Verbundnetz als grösste Maschine im Umbau

Urs Ziegler nennt drei Treiber, die gleichzeitig wirken: Dekarbonisierung, Digitalisierung, Dezentralisierung. Weg von wenigen Grosskraftwerken mit Grundlast, hin zu vielen kleinen, volatilen Erzeugereinheiten. Das verändert nicht nur, wie viel Strom fliesst, sondern wohin.

«Das Verbundnetz ist eigentlich die grösste Maschine, die es auf der Welt gibt.»Urs Ziegler, Swissgrid AG

Der Bestand ist alt. Ein grosser Teil des Netzes stammt aus den 1950er-Jahren; zwei Drittel der Masten müssten ersetzt oder mindestens geprüft werden. Die Ausbauplanung läuft deshalb rollierend statt in Projekten mit Anfang und Ende. Das sagt er am Interview-Punkt — und dort auch den Satz, den er ausdrücklich betont:

«Unser Ziel ist eine sichere Versorgung der Schweiz, bezahlbar für alle. […] Für uns ist ganz klar: Das Stromabkommen hilft uns die zukünftigen Anforderungen besser zu bewältigen. Darum kämpfen wir dafür.»Urs Ziegler, Swissgrid AG — am Interview-Punkt, in der von ihm autorisierten Fassung vom 18.09.2026

Das Zeichen […] in einem Zitat steht für eine Kürzung von uns — nicht für eine Pause des Sprechers.

Und dann die Zahl, die den ganzen Pfad trägt:

«Das längste Netzausbau-Projekt hat 30 Jahre gedauert. Die eigentliche Realisierung davon waren drei Jahre.»Urs Ziegler, Swissgrid AG

27 von 30 Jahren waren Verfahren. Wer über Ausbautempo spricht, spricht also nicht über Bagger und Masten, sondern über Bewilligungen, Einsprachen und Beschwerden. Dazu kommt die Lage der Schweiz im europäischen Verbund: Der Stromverbund wurde 1958 in Laufenburg gegründet und von der Schweiz mitgeprägt. Heute ist sie vom EU-Binnenmarkt für Strom ausgeschlossen und arbeitet mit den Nachbar-Netzbetreibern auf privatrechtlichen Verträgen, die jährlich erneuert werden müssen.

IBC — warum ein halb ausgelastetes Netz kein Fehler ist

Edgar Bisig versorgt Chur und die fusionierten Gemeinden Haldenstein, Maladers und Tschiertschen-Praden mit Gas, Wasser, Strom und Wärme. Beides — das Versorgungsgebiet wie die folgende Einschätzung — sagt er am Interview-Punkt. Das Mittelspannungsnetz sei gut aufgestellt; die Herausforderung liege in der Niederspannung, am Hausanschluss — dort ist der Zubau spürbar.

Seine Zahlen für Chur: 104 Megawatt installierte Trafoleistung bei einer Spitze von 45 Megawatt. Wer das für Verschwendung hält, hat den Zweck nicht gesehen: Die Auslastung von rund der Hälfte ist Absicht. Fällt ein Trafo aus, trägt der andere. Und die Lieferfrist für einen Hochspannungstrafo beträgt derzeit etwa ein Jahr — man bestellt ihn nicht kurzfristig nach. Aus demselben Grund ist die Doppelringleitung wichtig: Sie kann die gesamte Last aufnehmen, nicht nur zwei Einspeisungen.

«2040 ist unser ganz klares Ziel: sämtliche unsere Kunden CO2-neutral zu versorgen. Bis 2040 — egal in welchem Bereich, sei es Wärme oder Strom.»Edgar Bisig, IBC Energie Wasser Chur AG — am Interview-Punkt

Damit das funktioniert, brauche es variable Strompreise und Smart Meter im privaten Haushalt — sonst kann der Verbraucher gar nicht reagieren. Und dann legt er die unbequeme Rechnung offen, die im ganzen Forum sonst niemand stellt:

«Alles, was wir jetzt diskutieren, nützt im Energieteil. Aber wenn jeder seine PV-Anlage angeschlossen hat und wir die ganze Infrastruktur dafür auslegen müssen, wird das irgendwann nicht mehr finanzierbar sein.»Edgar Bisig, IBC Energie Wasser Chur AG

Der Strompreis hat einen Energieteil und einen Netzteil. Fast alles, was an diesem Nachmittag besprochen wird, wirkt im Energieteil — und taucht im Netzteil als Kostenfrage wieder auf. Sein Take-away, ebenfalls am Interview-Punkt gesagt: Konvergenz der Netze, und möglichst viel lokal erzeugte Energie auch lokal verbrauchen.

Aus dem Saal kam dazu die passende Frage: ob die IBC ermöglichen könnte, dass Nachbarn im selben Strang Strom miteinander beziehen, statt dass sich jeder privat organisiert.

Was der Pfad zeigt

Beide Häuser sagen, dass ihr Engpass nicht die Technik ist. Bei Swissgrid ist es das Verfahren, bei der IBC die Finanzierbarkeit der Infrastruktur. Und beide sagen es aus der Position dessen, der am Ende trotzdem liefern muss — unabhängig davon, wie schnell alle anderen ihre Anlagen anschliessen.

Am Interview-Punkt

Eine andere Gattung als die Session. Neben den Räumen stand an diesem Tag ein fester Interview-Punkt: eine Kamera vor dem grünen Plakat «Der Handschlag von Chur», betreut von Milena Stadelmann von der Fachhochschule Graubünden. Dort wurde einzeln zur Kamera gefragt — wer bist du, was bringst du mit, was nimmst du mit. Das ist kein Nebenschauplatz, sondern eine eigene Rolle im Forum: Macher ist das Haus, das den 45-Minuten-Pfad trägt; die Pfad-Regie der Fachhochschule moderiert an und dokumentiert; und der Fachexperte ist die Person, die eine Perspektive mitbringt, für die es keinen Slot gibt — sie wird zum Video-Interview eingeladen. Was dabei herauskommt, heisst Fachstimme. Die Merkregel des Forums: Fachexperte = wer, Fachstimme = was. Eine Fachstimme geben aber nicht nur die Fachexperten ab: Wer selbst auf einer Bühne stand, kann am Interview-Punkt zusätzlich eine abgeben. Daraus entstand auch der Film, der am Abend vor dem Plenum lief. Aussagen von dort sind auf dieser Seite mit «am Interview-Punkt» gekennzeichnet — sie sind nicht in der Session gefallen. Der Ton ist dort deutlich besser als in den Räumen.

Aus der Session

Urs Ziegler vor einem Aufsteller zum Stromabkommen
Urs Ziegler. Hinter ihm der Aufsteller zum Stromabkommen: «…schafft einen langfristigen rechtlichen Rahmen». Heute steht die Schweiz ausserhalb des Binnenmarkts und arbeitet mit Verträgen, die jedes Jahr erneuert werden müssen.
Edgar Bisig beim Vortrag im Saal
Edgar Bisig. Die andere Netzebene: das Verteilnetz von Chur, an dem jede Wärmepumpe und jede Ladestation hängt — 104 Megawatt Trafoleistung bei einer Spitze von 45.
Der Film vom Tag — neun Minuten, gedreht vom Multimedia-Team der Fachhochschule Graubünden: zukunfts-energie.ch/film. Er liegt auf unserem eigenen Server in der Schweiz: kein YouTube, kein Tracking, keine Cookies.

Was daraus folgt

Diese Seite ist die erste von zwei Schichten. Sie hält fest, was gesagt wurde. Die zweite hält fest, was die Leute daraufhin tun — der Handschlag von Chur: konkrete Zusagen, namentlich, im eigenen Wort. Nicht feierlich unterschrieben, sondern unter Gleichen gegeben. Im August 2027 fragen wir nach, was daraus geworden ist.

34 Menschen haben am 26. August unterschrieben. Von acht wissen wir, was sie sich vorgenommen haben — die übrigen Zusagen stehen als Name da, ohne Satz. Wenn du an diesem Nachmittag etwas zugesagt hast und es dort stehen sehen möchtest, genügt eine Zeile. Wer nichts zugesagt hat, kann es nachtragen.

Die anderen acht Pfade

Drei Runden, neun Pfade — wer dabei war, hat höchstens drei davon gesehen. Deshalb entsteht zu jedem eine Seite wie diese. Sie erscheinen nacheinander:

Dazu der Abend im selben Raum — neun Pitches, die Keynote und die Diskussion: Der Abend.

Das nächste Forum: Mittwoch, 25. August 2027, wieder im Energiepark Grischa. Vormerken → — das verpflichtet zu nichts.

Dokumentation aus den Aufnahmen des Tages · Regie Fabienne Kaufmann (Session) · Milena Stadelmann (Interview-Punkt) · Forum Zukunfts-ENERGIE · Russi Energy Foundation · Energiepark Grischa