Energiepark Grischa — Andreas Mehli · Heim AG Heizsysteme — Martin Schrag
Die Frage dieses Pfades klingt technisch und ist es nicht: Wann darf gespeicherte Energie verbraucht werden? Andreas Mehli beantwortet sie ökologisch — Holz ist ein Winterspeicher, und ihn im Sommer zu leeren ist Verschwendung. Martin Schrag beantwortet sie technisch: dann nimm im Sommer eine andere Quelle.
Andreas Mehli beginnt nicht mit zu viel Sonne, sondern mit zu wenig Strom.
«Wir haben zu wenig Strom im Winter, schon lange. Wir haben jetzt schon zu wenig gehabt, interessanterweise, weil wir wenig Wasser haben. Das hat es noch nie gegeben.»Andreas Mehli, Energiepark Grischa
Ab Januar kommen andere Tarifmodelle dazu, und Herkunftsnachweise werden quartalsweise abgerechnet. Seine Erwartung: Die Strompreise im Winter steigen deutlich, die im Sommer nicht im gleichen Mass. Damit steht die Frage nach dem Langzeitspeicher im Raum — und seine Antwort darauf ist nicht Wasserstoff.
«Heute verbrennen wir das Holz nass im Sommer. Das hat früher doch kein Mensch gemacht.»Andreas Mehli, Energiepark Grischa
Ein Förster sagte ihm an der Forstmesse: Würde man das Holz noch von Hand herausnehmen wie früher, würde man es nicht nass verbrennen. «Das habe ich nie mehr vergessen.» Davor steht für ihn ohnehin die Nutzungskaskade: «Wir müssen nachhaltig nutzen. Zuerst Bauholz, nachher erst Energieholz.»
Bemerkenswert ist, dass er den Zielkonflikt gegen die eigenen Zahlen ausspricht. Sein Einspeisevertrag läuft über 20 Jahre, gibt ihm Investitionssicherheit — und würde ihn dafür belohnen, das ganze Jahr durchzuproduzieren:
«Ich wäre dagegen, im Sommer Holz zu verbrennen. Weil es einfach Verschwendung ist.»Andreas Mehli, Energiepark Grischa
Die Auslastungslogik, die er dagegenstellt, geht gegen den Reflex, eine teure Anlage müsse laufen. Traktoren sollten 1'000 Stunden im Jahr laufen und machen im Schnitt 150 — und halten trotzdem. Nicht der Stillstand ist das Problem, sondern der ineffiziente Betrieb.
«Besser abstellen, dann frisst die Kuh kein Heu. Wenn wir sie abschalten, kostet es auch nichts, und dann behalten wir sie länger. Das Blöde ist, wenn sie ineffizient laufen.»Andreas Mehli, Energiepark Grischa
Übertragen auf die Anlage heisst das: lieber länger behalten und seltener laufen lassen, als im Sommer aus Preisgründen mitlaufen. Gewachsen ist der Park über zehn Jahre aus einzelnen Anlagen — Holzvergaser, Wasserkraftwerk, Photovoltaik, ein kleines Windrad. Zur Wärmepumpe hat er eine klare Erfahrung: Bei minus 10 Grad arbeiten sie schlecht, viel Strom für wenig Wärme; mit einer Quelle um 10 Grad läuft es gut. Entscheidend ist die Regelung — zieht man zu viel Luft heraus, kippt der Effekt. Den ersten Vorführer kaufte er 2017 und installierte ihn hier.
Bei Martin Schrag, Verkaufsleiter Anlagenbau bei der Heim AG, laufen alle Wärmepumpen und Holzanlagen über 100 Kilowatt über den Tisch. Die Zusammenarbeit der beiden Häuser entstand genau an Mehlis Zielkonflikt: Es gibt auch im Sommer Wärmebedarf, und es ist schade, dafür das Holz zu verbrennen, das für den Winter gespeichert gehört. Also nutze im Sommer den Sommerstrom — und die Wärme der Aussenluft. Im Winter arbeiten die Blockheizkraftwerke, und die Wärmepumpe nutzt deren Abwärme aus dem Heizungsraum. Wärmepumpen arbeiten heute mit mehreren Quellen zugleich: Erdsonden, Eisspeicher, Wärmetauscher, Abwärme aus verschiedenen Quellen.
Und dort, wo man es am wenigsten vermutet, steckt noch Energie: im Abgas. «Im Abgas von Holzfeuerungsanlagen und BHKWs ist immer noch Energie in Form von Wärme und Wasserdampf enthalten. Auch diese Energie kann mit einer Wärmepumpe zurückgewonnen werden.»
Im Sommer kommt die zweite Funktion dazu, und sie wird laut Schrag immer wichtiger: kühlen. Bei Erdsonden oder einem Eisspeicher geht das sogar ohne grossen Stromaufwand, weil die Kälte nur noch transportiert und nicht erzeugt werden muss — das nennt man passives Kühlen.
Das ist die sauberste Macher-Paarung des Forums: zwei Häuser, ein Problem, aufeinander abgestimmte Antworten. Und sie ist deshalb glaubwürdig, weil der eine sein eigenes Geschäftsmodell einschränkt. Ein Speicher ist erst dann einer, wenn man ihn auch nicht anrührt.
Eine andere Gattung als die Session. Neben den Räumen stand an diesem Tag ein fester Interview-Punkt: eine Kamera vor dem grünen Plakat «Der Handschlag von Chur», betreut von Milena Stadelmann von der Fachhochschule Graubünden. Dort wurde einzeln zur Kamera gefragt — wer bist du, was bringst du mit, was nimmst du mit. Das ist kein Nebenschauplatz, sondern eine eigene Rolle im Forum: Macher ist das Haus, das den 45-Minuten-Pfad trägt; die Pfad-Regie der Fachhochschule moderiert an und dokumentiert; und der Fachexperte ist die Person, die eine Perspektive mitbringt, für die es keinen Slot gibt — sie wird zum Video-Interview eingeladen. Was dabei herauskommt, heisst Fachstimme. Die Merkregel des Forums: Fachexperte = wer, Fachstimme = was. Eine Fachstimme geben aber nicht nur die Fachexperten ab: Wer selbst auf einer Bühne stand, kann am Interview-Punkt zusätzlich eine abgeben. Daraus entstand auch der Film, der am Abend vor dem Plenum lief. Aussagen von dort sind auf dieser Seite mit «am Interview-Punkt» gekennzeichnet — sie sind nicht in der Session gefallen. Der Ton ist dort deutlich besser als in den Räumen.
Andreas Mehli bringt dort eine Perspektive an, die an diesem Tag in keiner Session vorkam — und die nicht von einer Technik handelt, sondern von der Zeit:
«Eine Perspektive, die wir hier nicht abbilden, ist eigentlich das, wie lange man für gewisse Projekte hat bei uns in der Schweiz. Es geht einfach viel zu lange, weil man Bewilligungsverfahren hat, Einsprachemöglichkeiten — und vor allem, wenn eine Einsprache ist. […] Ich glaube, so ein Atomkraftwerk, ein neues, das geht fast zwei Generationen. Also wir müssen mit dem arbeiten, was wir haben, und es muss schneller gehen.»Andreas Mehli, Energiepark Grischa — am Interview-Punkt
Das Zeichen […] in einem Zitat steht für eine Kürzung von uns — nicht für eine Pause des Sprechers.
Und auf die Frage, was er mitnehme, antwortet er mit einem Wort: das Netzwerk.
Diese Seite ist die erste von zwei Schichten. Sie hält fest, was gesagt wurde. Die zweite hält fest, was die Leute daraufhin tun — der Handschlag von Chur: konkrete Zusagen, namentlich, im eigenen Wort. Nicht feierlich unterschrieben, sondern unter Gleichen gegeben. Im August 2027 fragen wir nach, was daraus geworden ist.
34 Menschen haben am 26. August unterschrieben. Von acht wissen wir, was sie sich vorgenommen haben — die übrigen Zusagen stehen als Name da, ohne Satz. Wenn du an diesem Nachmittag etwas zugesagt hast und es dort stehen sehen möchtest, genügt eine Zeile. Wer nichts zugesagt hat, kann es nachtragen.
Drei Runden, neun Pfade — wer dabei war, hat höchstens drei davon gesehen. Deshalb entsteht zu jedem eine Seite wie diese. Sie erscheinen nacheinander:
Dazu der Abend im selben Raum — neun Pitches, die Keynote und die Diskussion: Der Abend.
Das nächste Forum: Mittwoch, 25. August 2027, wieder im Energiepark Grischa. Vormerken → — das verpflichtet zu nichts.