Forum Zukunfts-ENERGIE · Mittwoch, 26. August 2026 · Energiepark Grischa, Chur

Pfad 1 · E-Produktion

Axpo Services AG — Clemens Bolli · Hassler Energia Alternativa AG — Christ-Andri Hassler

Runde 1Grüne Container45 Minuten

Zwei Häuser, zwei Grössenordnungen, dieselbe Frage: Woher kommt der Strom, wenn er gebraucht wird? Axpo beantwortet sie mit knapp sechs Gigawatt installierter Leistung und Verfahren, die Jahrzehnte dauern. Hassler Energia Alternativa beantwortet sie auf einer Alp mit 45 Kilowattstunden Speicher — und misst den Erfolg in Litern Diesel.

Axpo — wenn alles auf grün steht und der Wind trotzdem fehlt

Clemens Bolli legt zuerst die Grösse hin: Der hundertste Windpark ist in Angriff genommen, im europäischen Ausland; das Portfolio umfasst knapp sechs Gigawatt — die gesamte in Europa einschliesslich der Schweiz installierte Leistung aus Biomasse, Wasserkraft, Solar und Wind. In der Schweiz soll es um Windparkprojekte erweitert werden — Windenergie könne «einen wichtigen Bestandteil vom zukünftigen Strom in der Schweiz darstellen». Das Bündner Wasserkraftportfolio ist über Jahrzehnte gewachsen und soll weiter wachsen.

Bemerkenswert ist nicht die Erfolgsmeldung, sondern was er auf die Frage nach dem Misserfolg antwortet. Beim Windpark Flumserberg stand alles auf grün — bis gemessen wurde:

«Da hat sich eigentlich ein erfolgreiches, vielversprechendes Projekt ergeben. Alle Voraussetzungen waren eigentlich auf grün. Und als wir die Windmessungen abgeschlossen haben, hat sich gezeigt, dass der Wind dort viel weniger stark war, als eigentlich angenommen wurde.»Clemens Bolli, Axpo Services AG

Das Projekt wurde daraufhin beendet. Nicht, weil man es nicht gewollt hätte, sondern weil das Verhältnis nicht mehr stimmte — zwischen Ertrag, Eingriff in die Landschaft und Investition. Für das lokale Projekt Dreibündenstein nennt er eine Reihenfolge statt eines Termins: so schnell wie möglich, vorausgesetzt die Machbarkeitsstudie gelingt. Eine Jahreszahl sei schwierig, sie hänge an Verfahren, Einsprachen und Beschwerden. Nach der Baubewilligung zwei bis drei Jahre bis zur Realisierung — und die Baubewilligung im Idealfall in spätestens fünf Jahren.

Hassler Energia Alternativa — 4'000 Liter, und wie daraus 200 wurden

Christ-Andri Hassler erzählt dieselbe Aufgabe im Kleinen, und sie ist dadurch schärfer zu sehen. Die Alp Curtginatsch ist eine der höchstgelegenen Milchkuhalpen Graubündens. Sie hatte ein Energieproblem: Neues Equipment war angeschafft, die bestehende Wasserturbine lieferte zwar konstant Strom, konnte die Spitzen aber nicht mehr decken. Die Alp stand kurz davor, zum Diesel zurückzukehren — rund 4'000 Liter.

Die Lösung war ein 45-kWh-Speicher mit hoher Spitzenleistung, dazu ergänzende Photovoltaik; eine zweite Alp wurde gleich mit angeschlossen. Die eigentliche Schwierigkeit lag aber nicht in den Komponenten, sondern darin, bestehende und neue Systeme zum Zusammenspielen zu bringen. Hasslers Begründung ist die klarste Beschreibung von Inselbetrieb, die an diesem Tag fiel: Am Netz gibt es eine Vorgabe, im Inselbetrieb gibt es keine. «Am Netz hat man immer eine vorgegebene Sinuskurve, das Netz ist gegeben und man muss dem folgen.» Auf der Alp muss diese Vorgabe erst hergestellt werden.

«Mit dem Ziel eigentlich, die Reduktion vom Ölverbrauch, sind wir jetzt bei knapp 200 Liter. Das Ziel ist natürlich, auf null zu kommen. […] Das Ziel ist, dass wir in zwei Jahren auf null sind.»Christ-Andri Hassler, Hassler Energia Alternativa AG

Das Zeichen […] in einem Zitat steht für eine Kürzung von uns — nicht für eine Pause des Sprechers.

Von 4'000 auf 200 Liter, und ein Datum für die restlichen 200. Das ist — über das ganze Forum gerechnet — eine der wenigen Zusagen mit Frist.

Was der Pfad zeigt

Beide Häuser rechnen mit Spitzen, nicht mit Durchschnitten. Bei Axpo entscheidet die Messung darüber, ob ein fertig geplantes Projekt überhaupt gebaut wird; bei Hassler entscheidet die Spitzenleistung darüber, ob eine Alp Diesel braucht. Und beide nennen als Engpass nicht die Technik: bei Axpo sind es die Verfahren, bei Hassler das Zusammenspiel der Komponenten.

Was hier fehlt. Von den 45 Minuten dieser Session gibt es keine Aufnahme des Gesagten. Bewegtbilder schon: Die Regie hat während der Session dreizehn kurze Einstellungen gedreht, zusammen anderthalb Minuten, ohne verwertbaren Ton. Woran es lag, ist inzwischen geklärt: Die Session wurde nach Auskunft der Crew wie die anderen Räume dicht dokumentiert und auf dieselbe Speicherkarte geschrieben; vermutlich ging bei der Übertragung etwas verloren. Die Karten sind längst zurück in der Technikausleihe und formatiert — es ist nicht mehr zu retten — und beide Häuser kommen im Film vor. Was unten steht, stammt dagegen aus zwei Gesprächen am Rand des Nachmittags. Was im Kreis gesagt und was gefragt wurde, ist nirgends aufgezeichnet; wer dabei war, kann das als Einziger ergänzen: eine Zeile an joeri@gredig.swiss genügt, und es steht hier.

Aus der Session

Das Windmobil der Axpo auf dem Aussengelände
Das Windmobil. «Windkraft? Reinkommen und reinhören. Und mitreden.» — Axpo brachte die Diskussion über Wind als Fahrzeug mit.
VR-Brillen auf einem Holztisch vor dem Aufsteller «Willkommen im Windmobil der Axpo»
Zuhören statt zustimmen. «Setz die Kopfhörer auf und hör, wie ein Windrad klingt» — die Anlage, über deren Bewilligung anderswo jahrelang gestritten wird.
Christ-Andri Hassler neben einem Bildschirm und einem Klapptisch vor einem grünen Container
Christ-Andri Hassler. Kein Saal, kein Podium: ein Bildschirm, ein Klapptisch und ein paar Proben vor dem grünen Container — und die Frage, wie eine Alp ohne Diesel durch den Sommer kommt.
Christ-Andri Hassler spricht zu Zuhörenden auf Holzstufen, dahinter das Banner «Energiepark Grischa»
Draussen, auf Holzstufen. Die Session des Pfades E-Produktion fand unter freiem Himmel statt. Von den 45 Minuten ist fast nichts aufgezeichnet — die Bilder sind das meiste, was davon bleibt.
Der Film vom Tag — neun Minuten, gedreht vom Multimedia-Team der Fachhochschule Graubünden: zukunfts-energie.ch/film. Er liegt auf unserem eigenen Server in der Schweiz: kein YouTube, kein Tracking, keine Cookies.

Was daraus folgt

Diese Seite ist die erste von zwei Schichten. Sie hält fest, was gesagt wurde. Die zweite hält fest, was die Leute daraufhin tun — der Handschlag von Chur: konkrete Zusagen, namentlich, im eigenen Wort. Nicht feierlich unterschrieben, sondern unter Gleichen gegeben. Im August 2027 fragen wir nach, was daraus geworden ist.

34 Menschen haben am 26. August unterschrieben. Von acht wissen wir, was sie sich vorgenommen haben — die übrigen Zusagen stehen als Name da, ohne Satz. Wenn du an diesem Nachmittag etwas zugesagt hast und es dort stehen sehen möchtest, genügt eine Zeile. Wer nichts zugesagt hat, kann es nachtragen.

Die anderen acht Pfade

Drei Runden, neun Pfade — wer dabei war, hat höchstens drei davon gesehen. Deshalb entsteht zu jedem eine Seite wie diese. Sie erscheinen nacheinander:

Dazu der Abend im selben Raum — neun Pitches, die Keynote und die Diskussion: Der Abend.

Das nächste Forum: Mittwoch, 25. August 2027, wieder im Energiepark Grischa. Vormerken → — das verpflichtet zu nichts.

Dokumentation aus den Aufnahmen des Tages · Regie Davide Pagiusco · Forum Zukunfts-ENERGIE · Russi Energy Foundation · Energiepark Grischa