DRIV-E — Mike Ritter · Jenni Energietechnik AG — Josef Timoteo Jenni
Zwei Häuser, dieselbe Frage, zwei unterschiedliche Antworten: Wohin mit dem Strom, der gerade da ist, aber nicht gebraucht wird? Jenni Energietechnik speichert ihn als Wärme für Heizung und Warmwasser im Kombispeicher. DRIV-E speichert ihn als Strom in einem Container — damit am nächsten Morgen ein Lastwagen fährt.
Josef Timoteo Jenni führt die Firma in zweiter Generation; sie hat soeben ihr fünfzigjähriges Bestehen gefeiert. Seine Begründung gegen den reinen Batteriepfad — hin zu einer Kombination von Strom und Wärme — ist eine Frage der Wirtschaftlichkeit: Der elektrische Speicher lässt sich aus ökologischen und ökonomischen Gründen nicht beliebig gross auslegen und eignet sich nicht für eine Langzeitspeicherung. Was nicht als Strom verwendet wird, kann als Wärme gespeichert werden — denn 80 Prozent des Energiebedarfs eines Schweizer Haushalts entfallen auf Heizung und Warmwasser.
Power-to-Heat beschreibt die Nutzung von überschüssigem Solarstrom in Form von Wärme, wahlweise über eine Wärmepumpe oder über Elektroheizstäbe. Der Kern des Systems ist der thermische Energiespeicher; er lässt sich mit den unterschiedlichsten Erzeugern laden, von Holz über die Wärmepumpe bis zur Sonne. In Ein- und Mehrfamilienhäusern arbeiten Wärmepumpe und Elektroheizstab zusammen. Für Industrie- und Fernwärmeanwendungen, wo hohe Temperaturen und schnelle Reaktionsfähigkeit gefragt sind, kommen Elektroheizstäbe von 100 bis 1'000 Kilowatt zum Einsatz.
«Wärmespeicher bieten eine kostengünstige Ergänzung zu Batterien, gerade weil wir im Haushalt 80 Prozent der Energie für Heizung und Warmwasser verwenden.»Josef Timoteo Jenni, Jenni Energietechnik AG
Der Kern ist die Hydraulik. Der Speicher wird von unten nach oben über eine Wärmepumpe beladen und von oben nach unten über Elektroeinsätze. Beides zusammen, nicht wahlweise — und der Grund dafür ist physikalisch: Die Wärmepumpe arbeitet nur dann effizient, wenn sie kaltes Wasser aufheizt. Der Elektroeinsatz ist gegenüber dem Temperaturniveau gleichgültig und macht deshalb die hohen Temperaturen. Dadurch, dass beides gleichzeitig geschehen kann, wird der ganze Überschussstrom effizient genutzt.
«Meine Grosseltern haben meinem Vater bei der Gründung der Firma gesagt: Auch wenn das dann nicht funktioniert mit den erneuerbaren Energien, geben wir dir noch lange zu essen.»Josef Timoteo Jenni
Bei DRIV-E steht am Anfang kein Produktgedanke, sondern ein Ärgernis. Mike Ritter: «Wir verdienen das Geld mit dem Transport.» Der Lastwagen muss am Morgen geladen sein — sonst steht der Chauffeur da, der Transport fällt aus, der Kunde ist unzufrieden. Seit 2021 fahren im Betrieb elektrische Lastwagen, inzwischen über 2,5 Millionen elektrische Kilometer — «und etwa gefühlt gleich viele Probleme beim Ladeprozess».
«Die Lkw funktionieren und die meisten Ladesäulen funktionieren, aber das Miteinander funktioniert nicht.»Mike Ritter
Daraus folgt die Lücke, die das Haus beschreibt:
«Wir haben einen Spezialisten für die Ladesäule, wir haben einen Spezialisten für den Lastwagen, wir haben einen Spezialisten im EMS — aber niemand spricht die Sprache vom Transporteur.»Mike Ritter
Das Produkt ist deshalb ein Versprechen, keine Komponente: Der Lastwagen ist am Morgen geladen. Bricht die Ladung ab, geht die Meldung an Disponent oder Chauffeur — wählbar. Der Speicher dahinter fasst 1 MWh im Container, bezieht bis 500 kW und lädt mit bis zu 400 kW; für die Vorführung in Chur war er auf 30 kW gedrosselt. Er lässt sich per Hakenlifter versetzen oder stationär betreiben, mit Löschwasser-Auffangwanne.
Eine Entscheidung darin ist bemerkenswert, weil sie gegen das eigene Geschäft geht: Ladestation und Batterie sind bewusst entkoppelt. Die Ladeinfrastruktur wird nicht in die Batterie eingebaut — damit der Kunde seine Ladestation weiter beim lokalen Anbieter beziehen und dessen Gewährleistung behalten kann.
Wie ernst es dem Haus mit dem Ablauf ist, zeigt der eigene Ladehof: Eine Kamera liest das Kontrollschild, ein Bildschirm weist den Ladepunkt zu, eine zweite Kamera bestätigt die richtige Säule. Dazu eine Reservations-App — es gibt mehr Ladepunkte als Leistung, die Zuteilung ist deshalb geplant und nicht dem Zufall überlassen.
Beide Häuser beantworten dieselbe Frage und setzen auf unterschiedliche, sich ergänzende Speicher. Jenni zeigt, dass thermische Energiespeicher eine sinnvolle Ergänzung zur Batterie sind und dass die Energiewende auf mehreren Technologien beruht. DRIV-E zeigt, dass die einzelnen Teile längst funktionieren und trotzdem der Lastwagen am Morgen nicht geladen ist. Der Engpass ist nicht die Technik, sondern das Zusammenspiel — und niemand fühlt sich dafür zuständig.
Diese Seite ist die erste von zwei Schichten. Sie hält fest, was gesagt wurde. Die zweite hält fest, was die Leute daraufhin tun — der Handschlag von Chur: konkrete Zusagen, namentlich, im eigenen Wort. Nicht feierlich unterschrieben, sondern unter Gleichen gegeben. Im August 2027 fragen wir nach, was daraus geworden ist.
34 Menschen haben am 26. August unterschrieben. Von acht wissen wir, was sie sich vorgenommen haben — die übrigen Zusagen stehen als Name da, ohne Satz. Wenn du an diesem Nachmittag etwas zugesagt hast und es dort stehen sehen möchtest, genügt eine Zeile. Wer nichts zugesagt hat, kann es nachtragen.
Drei Runden, neun Pfade — wer dabei war, hat höchstens drei davon gesehen. Deshalb entsteht zu jedem eine Seite wie diese. Sie erscheinen nacheinander:
Dazu der Abend im selben Raum — neun Pitches, die Keynote und die Diskussion: Der Abend.
Das nächste Forum: Mittwoch, 25. August 2027, wieder im Energiepark Grischa. Vormerken → — das verpflichtet zu nichts.