Forum Zukunfts-ENERGIE · Mittwoch, 26. August 2026 · Energiepark Grischa, Chur

Pfad 4 · E-Mobility

Helion — Domenic Denoth · Marco Hablützel

Runde 2Halle EG45 Minuten

Ein Auto kann Strom nicht nur beziehen, sondern zurückgeben. Damit ist es nicht mehr nur Fortbewegungsmittel, sondern Speicher — für das Haus, den Betrieb und, wenn viele mitmachen, für das Netz. Helion rechnet in dieser Session vor, was daraus wird, wenn man die Stillstandzeit nutzt statt sie zu beklagen.

Woher das Haus kommt — und warum die Wärmepumpe dazukam

Helion nahm 2013 den ersten Batteriespeicher in Betrieb. Die Wärmepumpe kam 2018 ins Portfolio, und zwar nicht aus strategischer Erwägung, sondern auf Kundendruck:

«Viele Kunden haben uns gesagt: Wir haben investiert in eine Wärmepumpe und in eine Photovoltaikanlage. Die PV läuft am Tag, die Wärmepumpe in der Nacht. Das bringt gar nichts.»Domenic Denoth, Helion

Das ist der Kern des ganzen Pfades in einem Kundensatz: Zwei richtige Investitionen, die nicht miteinander sprechen, ergeben zusammen weniger als jede für sich versprochen hat.

Die Zahlen, die er dem Raum vorlegt

Der Anteil reiner Elektrofahrzeuge an den Neuzulassungen liegt bei 22,8 Prozent, für das laufende Jahr erwartet er rund 24. Beim Wirkungsgrad kommen bei Elektromobilität rund 90 Prozent der eingesetzten Energie auf die Strasse — der Saal schätzte das richtig. Und dann die Zahl, um die sich alles dreht: Das Auto steht 80 bis 90 Prozent der Zeit, und im Alltag werden im Schnitt nur 35 Prozent der Batterie gebraucht.

«Unser Auto steht 80 bis 90 Prozent der Zeit. Also ist es mehr ein Stehzeug als ein Fahrzeug. Brauchen wir es doch — und machen das System relevant.»Domenic Denoth, Helion

Daraus leitet er eine Hochrechnung bis 2050 ab: Wenn die Neuzulassungen so weiterlaufen und ein Drittel der Fahrzeuge eingesteckt ist, liesse sich damit die Leistung sämtlicher Schweizer Kernkraftwerke ersetzen. (Diese Stelle ist in der Tonaufnahme gestört; der Inhalt ist über drei Wiederholungen hinweg gleich, der genaue Wortlaut nicht gesichert — sie steht hier deshalb als sinngemässe Wiedergabe, nicht als Zitat.)

Das virtuelle Kraftwerk — hier übernimmt Marco Hablützel

«Und übergebe an Marco für das virtuelle Kraftwerk», sagt Denoth mitten im Vortrag — von hier an spricht Marco Hablützel. Bis Ende Jahr sollen 350 Megawatt im Flexpool sein, um Swissgrid bei der Netzstabilität zu helfen. Wo sie an diesem Tag standen, hatte er am Morgen selbst abgefragt: 300 Megawatt. Ein Energiemanagement mit KI entscheidet im Zehn-Sekunden-Rhythmus über den besten Zeitpunkt; für die Kundschaft bleibt es ein System, das man nicht bedienen muss. Der genannte Effekt: rund 20 Prozent mehr Rendite.

Wichtiger als die Zahl ist die Bedingung, die im Q&A ausdrücklich fällt: nie auf Kosten des Eigenverbrauchs. Wer mitmacht, gibt selbst frei, welchen Anteil seiner Batterie er zur Vermarktung freistellt.

Was aus dem Saal kam

Die substanziellste Frage betraf die Alterung der Batterie — und die Antwort trennt zwei Welten, die oft in einen Topf geworfen werden. Die Hausbatterie läuft langsam, nachts leer, tagsüber voll, und muss nicht hochleistungsfähig sein. Die Autobatterie ist High-Performance und mag kleine Dauerentnahmen gerade nicht: Die Untergrenze liegt bei rund 1,8 Kilowatt — ungefähr ein Backofen. VW begrenzt derzeit auf 10'000 Ladezyklen, hochgerechnet acht bis zehn Jahre; langsames Laden ist schonend, nicht schädigend. Und heute lassen sich einzelne Module eines Batteriepakets ersetzen, nicht mehr nur das ganze Paket.

Die zweite Hürde ist keine technische: Viele asiatische Modelle sind bidirektional fähig, für Europa aber noch nicht freigegeben. Eine Freischaltung läuft über die Garage, und die Hersteller müssen sich zuerst auf die Norm einigen.

Was der Pfad zeigt

Die Technik für das bidirektionale Laden ist da, die Fahrzeuge sind da, und sie stehen ohnehin herum. Was fehlt, ist die Einigung darüber, wer sie ansprechen darf — die Norm, die Freigabe durch den Hersteller, der Vertrag mit dem Werk. Der Engpass liegt nicht in der Batterie, sondern in der Berechtigung.

Am Interview-Punkt

Eine andere Gattung als die Session. Neben den Räumen stand an diesem Tag ein fester Interview-Punkt: eine Kamera vor dem grünen Plakat «Der Handschlag von Chur», betreut von Milena Stadelmann von der Fachhochschule Graubünden. Dort wurde einzeln zur Kamera gefragt — wer bist du, was bringst du mit, was nimmst du mit. Das ist kein Nebenschauplatz, sondern eine eigene Rolle im Forum: Macher ist das Haus, das den 45-Minuten-Pfad trägt; die Pfad-Regie der Fachhochschule moderiert an und dokumentiert; und der Fachexperte ist die Person, die eine Perspektive mitbringt, für die es keinen Slot gibt — sie wird zum Video-Interview eingeladen. Was dabei herauskommt, heisst Fachstimme. Die Merkregel des Forums: Fachexperte = wer, Fachstimme = was. Eine Fachstimme geben aber nicht nur die Fachexperten ab: Wer selbst auf einer Bühne stand, kann am Interview-Punkt zusätzlich eine abgeben. Daraus entstand auch der Film, der am Abend vor dem Plenum lief. Aussagen von dort sind auf dieser Seite mit «am Interview-Punkt» gekennzeichnet — sie sind nicht in der Session gefallen. Der Ton ist dort deutlich besser als in den Räumen.

Dort nennt Domenic Denoth auch seine Funktion, die sonst nirgends festgehalten ist: Ko-Geschäftsführer von Helion am Standort Ostschweiz. Und er sagt, was er mitnimmt — nicht eine Zahl, sondern das Publikum: «Es sind Fachleute dabei, es sind Private dabei, also ein ganz individuelles Publikum. […] Was ich mitnehme, sind sicher die guten Gespräche. Vielleicht entstehen auch neue Partnerschaften.»

Das Zeichen […] in einem Zitat steht für eine Kürzung von uns — nicht für eine Pause des Sprechers.

Aus der Session

Weisses Elektroauto mit Helion-Beschriftung «Solaranlagen · Wärmepumpen · Ladelösungen» und Helion-Fahne auf dem Aussenplatz
Das Fahrzeug, von dem die Rede ist. Helions Elektroauto stand draussen auf dem Platz — das «Stehzeug»: 80 bis 90 Prozent der Zeit steht es, und genau darum kann es ein Speicher sein.
Marco Hablützel links und Domenic Denoth rechts am Rednerpult, dazwischen ein Laptop mit dem Helion-Logo
Zu zweit am Pult. Marco Hablützel (links) und Domenic Denoth — dazwischen der Laptop mit der Präsentation.
Domenic Denoth an einem Rednerpult vor der Folie «10,15 Mio. verkaufte Fahrzeuge mit neuer Antriebsenergie»
Domenic Denoth. Auf der Folie: 10,15 Millionen verkaufte Fahrzeuge mit neuer Antriebsenergie — die Ausgangslage, von der aus er nach vorn rechnet.
Domenic Denoth vor einer Folie, die die Kosten von AC- und bidirektionalen Ladestationen vergleicht
Was es kostet. AC-Ladestation gegen bidirektionale Ladestation, in Franken. Die Technik ist da; die Frage im Raum war der Preis.
Der Film vom Tag — neun Minuten, gedreht vom Multimedia-Team der Fachhochschule Graubünden: zukunfts-energie.ch/film. Er liegt auf unserem eigenen Server in der Schweiz: kein YouTube, kein Tracking, keine Cookies.

Was daraus folgt

Diese Seite ist die erste von zwei Schichten. Sie hält fest, was gesagt wurde. Die zweite hält fest, was die Leute daraufhin tun — der Handschlag von Chur: konkrete Zusagen, namentlich, im eigenen Wort. Nicht feierlich unterschrieben, sondern unter Gleichen gegeben. Im August 2027 fragen wir nach, was daraus geworden ist.

34 Menschen haben am 26. August unterschrieben. Von acht wissen wir, was sie sich vorgenommen haben — die übrigen Zusagen stehen als Name da, ohne Satz. Wenn du an diesem Nachmittag etwas zugesagt hast und es dort stehen sehen möchtest, genügt eine Zeile. Wer nichts zugesagt hat, kann es nachtragen.

Die anderen acht Pfade

Drei Runden, neun Pfade — wer dabei war, hat höchstens drei davon gesehen. Deshalb entsteht zu jedem eine Seite wie diese. Sie erscheinen nacheinander:

Dazu der Abend im selben Raum — neun Pitches, die Keynote und die Diskussion: Der Abend.

Das nächste Forum: Mittwoch, 25. August 2027, wieder im Energiepark Grischa. Vormerken → — das verpflichtet zu nichts.

Dokumentation aus den Aufnahmen des Tages · Regie Fabienne Kaufmann (Session) · Milena Stadelmann (Interview-Punkt) · Forum Zukunfts-ENERGIE · Russi Energy Foundation · Energiepark Grischa